Nipah-Fälle in Indien verstärken regionale Besorgnis – viele Länder ergreifen Maßnahmen
Angesichts der in Indien gemeldeten Nipah-Fälle wächst die Sorge in der Region, während zahlreiche Länder Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Experten betonen, dass aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate besondere Wachsamkeit geboten ist.
Zwei bestätigte Fälle des Nipah-Virus im indischen Bundesstaat Westbengalen haben die Besorgnis in der Region und in den Nachbarländern verstärkt. Das Gesundheitsministerium erklärte heute unter Berufung auf das staatliche Zentrum für Krankheitskontrolle, dass seit Dezember lediglich zwei Fälle registriert worden seien und Berichte über eine deutlich höhere Zahl Infizierter nicht der Wahrheit entsprächen. Nach Bekanntwerden der beiden Fälle seien die Überwachungsmaßnahmen sowie die Labortests zur Eindämmung einer möglichen Ausbreitung deutlich verschärft worden.
Nach den Nipah-Fällen in Indien haben mehrere Länder der Region ihre Vorsichtsmaßnahmen erhöht. In Thailand werden an den Flughäfen Suvarnabhumi, Don Mueang in Bangkok sowie in Phuket bei Reisenden aus Westbengalen Fiebermessungen durchgeführt. In Japan riefen Gesundheitsbehörden zur Wachsamkeit auf; an den Flughäfen werden Passagiere mit Wärmebildscannern kontrolliert. Die chinesischen Staatsmedien erklärten zwar, dass das Virus keine unmittelbare Gefahr für das Land darstelle, riefen jedoch dennoch zu erhöhter Aufmerksamkeit bei Einreisenden aus betroffenen Regionen auf. Experten weisen darauf hin, dass das Virus zwar selten auftritt, aufgrund seiner hohen Sterblichkeit jedoch genau beobachtet werden muss.
Wie wird das Virus übertragen und wie kann man sich schützen?
Was ist das Nipah-Virus?
Nipah gilt als zoonotisches Virus, das beim Menschen schwere Atemwegserkrankungen und eine tödliche Gehirnentzündung verursachen kann. Als natürlicher Wirt gelten Flughunde der Gattung Pteropus. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann die Sterblichkeitsrate bei manchen Ausbrüchen zwischen 70 und 90 Prozent liegen. In Indien und Bangladesch kam es in der Vergangenheit wiederholt zu kleineren Ausbrüchen. Trotz seines seltenen Auftretens wird das Virus wegen der hohen Todesrate weltweit aufmerksam beobachtet.
Wie wird das Virus auf den Menschen übertragen?
Die Ansteckung erfolgt meist über Lebensmittel wie von Fledermäusen kontaminierte Früchte oder Dattelsaft sowie durch den Kontakt mit infizierten Tieren. In früheren Ausbrüchen spielten insbesondere Schweine als Zwischenwirte eine Rolle. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch kann durch engen Kontakt, Tröpfcheninfektion, Husten sowie durch Kontakte im medizinischen Umfeld begünstigt werden. Das deutsche Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass bei einigen Ausbrüchen eine deutliche Verbreitung innerhalb von Krankenhäusern beobachtet wurde. In Indien sind beide Infizierten Krankenschwestern. Auch der Verzehr von rohen oder unzureichend gegarten tierischen Produkten kann ein Risiko darstellen.
Wie hängen Hendra- und Nipah-Virus zusammen?
Beide Viren gehören zur Familie der Henipaviren und können schwere Gehirnentzündungen verursachen. Das Hendra-Virus wurde erstmals 1994 in Australien entdeckt und führte vor allem bei Pferden zu schweren Erkrankungen. Beim Menschen wurden bislang lediglich rund zehn Fälle registriert. Im Vergleich zu Nipah tritt Hendra in einem deutlich begrenzteren geografischen Gebiet auf. Das Nipah-Virus hingegen wurde erstmals 1999 nach Ausbrüchen bei Schweinen und Menschen in Malaysia und Singapur identifiziert. In der Folge kam es auch in Bangladesch und Indien zu Erkrankungen. Fast jeder zweite Infizierte starb. Als natürlicher Ursprung beider Viren gelten Flughunde.
Welche Symptome verursacht die Krankheit?
Bei manchen Infizierten verläuft die Erkrankung mild oder sogar symptomlos. In schweren Fällen können jedoch Fieber, Kopfschmerzen, Atemnot und eine rasch fortschreitende Gehirnentzündung auftreten, die zu Bewusstseinsverlust und Tod führen kann. Auch das Hendra-Virus verursacht ähnliche Atemwegs- und neurologische Symptome. Experten betonen, dass wegen der schnellen Verschlechterung des Zustands eine frühzeitige medizinische Abklärung entscheidend ist.
Gibt es eine Impfung und wie wird behandelt?
Gegen das Nipah-Virus gibt es derzeit keinen zugelassenen Impfstoff für den Menschen, ebenso wenig eine spezifische antivirale Therapie. Die Behandlung beschränkt sich auf unterstützende Maßnahmen. Für das Hendra-Virus existiert seit 2012 ein Impfstoff für Pferde. Die Forschung an Impfstoffen und Therapien für beide Viren dauert an. In Deutschland müssen mögliche menschliche Infektionen mit diesen Viren als „gefährliche Krankheiten“ den Gesundheitsbehörden gemeldet werden.
DW, dpa/TY, JD
