Die deutschen Gasspeicher sind Anfang September so wenig gefüllt wie zu diesem Zeitpunkt seit 15 Jahren nicht mehr. Experten warnen vor möglichen Versorgungsengpässen in den Wintermonaten.
Der Branchenverband Initiative Energien Speichern (INES) hat angesichts des niedrigen Füllstands der deutschen Gasspeicher vor möglichen Problemen bei der Erdgasversorgung im kommenden Winter gewarnt.

Nach Angaben der INES waren die deutschen Gasspeicher Anfang September lediglich zu 53 Prozent gefüllt. Damit liegt der Füllstand zu diesem Zeitpunkt auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011. Im vergangenen Jahr hatte der Füllstand zum gleichen Zeitpunkt noch 71 Prozent betragen.
Gasspeicher müssen deutlich schneller gefüllt werden
Nach Einschätzung der INES wäre es technisch möglich, den Füllstand bis zum 1. November auf 77 Prozent zu erhöhen. Dafür müsste das Tempo der Einspeicherung allerdings deutlich gesteigert werden.
In den verbleibenden zwei Monaten müsste mehr Erdgas eingespeichert werden als insgesamt in den vergangenen drei Monaten.
Ein Füllstand von 77 Prozent wäre laut INES unter normalen winterlichen Bedingungen ausreichend, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Bei extrem kalten Wetterbedingungen wäre diese Menge jedoch nicht ausreichend.
INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann warnte, dass es bei außergewöhnlich kaltem Wetter bereits im Januar zu einem Versorgungsdefizit kommen könnte.
Die INES vertritt nach eigenen Angaben 17 Unternehmen, die im Bereich der Gas- und Wasserstoffspeicherung tätig sind. Diese Unternehmen repräsentieren mehr als 90 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazität.
Gasspeicherung derzeit wirtschaftlich wenig attraktiv
Dass die deutschen Gasspeicher im Vergleich zu den vergangenen Jahren langsamer gefüllt werden, wird bereits seit Monaten diskutiert.
Als einen Grund für das geringe Speichertempo verweist der Verband auf die durch den Iran-Krieg entstandenen Marktbedingungen.
Nach der Schließung der Straße von Hormus stiegen die Erdgaspreise. Gleichzeitig war der Preisunterschied zwischen Sommer- und Wintergas teilweise negativ. Dadurch wird die Speicherung für die Unternehmen wirtschaftlich weniger attraktiv.
Der Grund: Erdgas, das derzeit gekauft und gespeichert wird, kann teurer sein als Erdgas, das im kommenden Winter benötigt wird.
Die INES fordert deshalb ein Maßnahmenpaket, zu dem auch eine Senkung der Speicherkosten gehört.
„Die Speicherkosten schöpfen das ohnehin vergleichsweise begrenzte Marktpotenzial vollständig aus“, erklärte INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann.
Bundesregierung sieht derzeit keinen Grund zur Sorge
Das Bundeswirtschaftsministerium sieht dagegen derzeit keinen Anlass, an der Versorgungssicherheit Deutschlands zu zweifeln.
Das Ministerium verweist unter anderem auf die LNG-Terminals sowie auf die Erdgaslieferungen per Pipeline aus Norwegen. Eine staatliche Intervention sei derzeit nicht erforderlich.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg soll die Bundesregierung unterdessen mit den staatlich kontrollierten Energieunternehmen Uniper und Sefe über eine mögliche Unterstützung beim Befüllen der Gasspeicher gesprochen haben.
Von den beiden Unternehmen lag dazu zunächst keine Stellungnahme vor.
Auch auf die Frage, ob die Bundesregierung Einfluss auf Uniper und Sefe ausübt, damit mehr Erdgas eingespeichert wird, gab das Bundeswirtschaftsministerium keine Antwort.