Der deutsche Automobilhersteller BMW hat ein zuvor unterbreitetes Leasingangebot für den neuen Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt, Tobias Rausch (AfD), zurückgezogen. Die Entscheidung wurde am 6. Oktober 2026 bekannt, dem Tag seiner Wahl. Der Vorgang sorgt für eine neue Debatte über das Verhältnis zwischen Unternehmen und politischen Parteien in Deutschland.
BMW zieht Angebot für Dienstwagen zurück
Der Automobilkonzern BMW hat sein Angebot zur Bereitstellung eines Dienstwagens für Tobias Rausch, den neuen Präsidenten des Landtags von Sachsen-Anhalt, zurückgezogen. Darüber berichtete zunächst die Die Zeit unter Berufung auf Angaben aus der Landtagsverwaltung. Weitere Medien, darunter MDR, n-tv, der Tagesspiegel, BILD, Welt und das Handelsblatt, griffen die Meldung ebenfalls auf.

Eine konkrete Begründung für die Entscheidung nannte BMW bislang nicht. Ein Unternehmenssprecher erklärte: „Die BMW Group äußert sich grundsätzlich nicht zu Kundenbeziehungen.“
BMW stellt bereits einen großen Teil der Fahrzeugflotte für die Landesregierung und den Landtag von Sachsen-Anhalt bereit. Das Angebot für Rausch war dem Bericht zufolge das einzige, das von einem der großen deutschen Premium-Automobilhersteller eingegangen war. Angebote von Mercedes-Benz oder Audi lagen demnach nicht vor.
Tobias Rausch ist erster AfD-Politiker an der Spitze eines Landtags
Der 35-jährige Tobias Rausch wurde am 6. Oktober 2026 bei der konstituierenden Sitzung des Landtags von Sachsen-Anhalt zum Landtagspräsidenten gewählt. Er erhielt 48 von 82 abgegebenen Stimmen.
Damit übernahm erstmals ein Politiker der Alternative für Deutschland (AfD) das Amt des Präsidenten eines deutschen Landesparlaments.
Die AfD in Sachsen-Anhalt steht politisch besonders im Fokus. Der Landesverband wird vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft. Die Einstufung ist Teil der anhaltenden politischen Auseinandersetzung um den Umgang mit der Partei.
Übergangsweise nutzt Rausch einen BMW 7er
Bislang nutzt Rausch vorübergehend den BMW 7er seines Vorgängers, des CDU-Politikers Gunnar Schellenberger. Der Leasingvertrag für das Fahrzeug läuft im November 2026 aus.
Sollte bis dahin keine alternative Lösung gefunden werden, könnte Rausch vorübergehend ohne einen eigenen Dienstwagen dastehen. Dem Landtagspräsidenten steht grundsätzlich ein Dienstfahrzeug mit Fahrer zur Verfügung.
Die Landtagsverwaltung bemüht sich nach den vorliegenden Informationen um eine alternative Lösung.
BMW-Chef hatte Rechtspopulismus als Gefahr für die Wirtschaft bezeichnet
Die Entscheidung des Konzerns fällt zeitlich mit einer politischen Stellungnahme von BMW-Chef Milan Nedeljković zusammen. In einem kürzlich veröffentlichten Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bezeichnete er Rechtspopulismus und Nationalismus als „Gift“ für die deutsche Wirtschaft.
Ob diese Aussagen einen Zusammenhang mit dem zurückgezogenen Leasingangebot haben, ist allerdings nicht belegt. BMW selbst hat keinen konkreten Grund für seine Entscheidung genannt.
Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch reagierte auf den Vorgang mit einem Beitrag auf der Plattform X. Darin wandte sie sich an Tesla-Chef Elon Musk und fragte, ob Tesla Rausch einen Dienstwagen zur Verfügung stellen könne.
Debatte über Unternehmen und politische Verantwortung
Der Fall hat die Diskussion über die Beziehungen zwischen Unternehmen und politischen Amtsträgern erneut angeheizt. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle politische Positionen bei geschäftlichen Entscheidungen spielen und wie Unternehmen mit öffentlichen Institutionen umgehen, deren Vertreter unterschiedlichen politischen Parteien angehören.
Bislang hat BMW seine Entscheidung nicht näher erläutert. Während die Landtagsverwaltung nach einer Alternative sucht, bleibt offen, wie die Dienstwagenfrage für den neuen Landtagspräsidenten langfristig gelöst wird.