Großbritannien und Deutschland starten neue Sicherheitspartnerschaft: Kensington-Vertrag tritt in Kraft

Der britische Premierminister Andy Burnham hat sich am 8. Oktober 2026 in Berlin mit Bundeskanzler Friedrich Merz getroffen. Mit dem Inkrafttreten des Kensington-Vertrags wollen beide Länder ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Verteidigung, Sicherheit, Wirtschaft und Technologie weiter ausbauen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen zudem hybride Bedrohungen durch Russland und eine mögliche deutsche Beteiligung am internationalen Kampfjetprojekt GCAP.

Erster Deutschlandbesuch von Premierminister Andy Burnham

Der britische Premierminister Andy Burnham hat am 8. Oktober 2026 seinen ersten offiziellen Besuch in Deutschland absolviert. In Berlin wurde er von Bundeskanzler Friedrich Merz mit militärischen Ehren empfangen. Anschließend führten beide Regierungschefs bilaterale Gespräche im Bundeskanzleramt.

Ein zentrales Ergebnis des Treffens war das Inkrafttreten des sogenannten Kensington-Vertrags, dessen vollständiger Titel „Vertrag über Freundschaft und bilaterale Zusammenarbeit zwischen dem Vereinigten Königreich und der Bundesrepublik Deutschland“ lautet.

Der Vertrag war im Juli 2025 in London vom damaligen britischen Premierminister Keir Starmer und Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichnet worden. Mit dem Austausch der Ratifikationsurkunden wurde nun der formelle Schritt zum Inkrafttreten vollzogen.

Kensington-Vertrag stärkt die bilateralen Beziehungen

Das Abkommen sieht eine engere Zusammenarbeit in zahlreichen Bereichen vor. Dazu gehören insbesondere Verteidigung und Sicherheit, Technologie und Wissenschaft, Wirtschaft sowie der Austausch zwischen den Bürgerinnen und Bürgern beider Länder.

Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete das Inkrafttreten als einen „historischen Moment“. Besonders junge Menschen sollten von der engeren Partnerschaft profitieren, unter anderem durch Schüleraustauschprogramme, Bildungsreisen und weitere Möglichkeiten zur Begegnung.

Auch Andy Burnham betonte die historische Bedeutung des Abkommens. Nach seinen Worten handelt es sich um den ersten Vertrag dieser Art zwischen Großbritannien und Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Vereinbarung solle die Sicherheit in Europa stärken, das Wirtschaftswachstum fördern und den Lebensstandard verbessern.

Großbritannien und Deutschland verstärken Kampf gegen hybride Bedrohungen

Ein Schwerpunkt der Gespräche war der gemeinsame Umgang mit hybriden Bedrohungen, insbesondere solchen, die Russland zugeschrieben werden. Dazu zählen Cyberangriffe, Sabotage, Desinformation, Drohnenaktivitäten und Bedrohungen kritischer Infrastrukturen.

Beide Länder wollen ihre Zusammenarbeit bei der Weitergabe von Informationen, der Überwachung potenzieller Gefahren sowie der Abschreckung und Abwehr möglicher Angriffe intensivieren. Darüber hinaus soll die Widerstandsfähigkeit gegenüber solchen Bedrohungen verbessert werden.

Burnham erklärte, dass sowohl Großbritannien als auch Deutschland regelmäßig mit hybriden Angriffen konfrontiert seien. Eine engere Zusammenarbeit sei deshalb sinnvoll, um Gefahren frühzeitig zu erkennen und gemeinsam darauf zu reagieren.

Die neue Sicherheitspartnerschaft soll damit einen Beitrag zur europäischen Sicherheitsarchitektur leisten und die Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten angesichts wachsender internationaler Spannungen vertiefen.

Deutschland könnte sich am Kampfjetprogramm GCAP beteiligen

Auch die europäische und internationale Verteidigungsindustrie spielte bei dem Treffen eine wichtige Rolle. Burnham erklärte, dass Großbritannien, Italien und Japan offen für eine Beteiligung Deutschlands am Global Combat Air Programme (GCAP) seien.

Das internationale Rüstungsprogramm hat die Entwicklung eines Kampfflugzeugs der sechsten Generation zum Ziel. Es soll langfristig neue Fähigkeiten für die Luftstreitkräfte der beteiligten Staaten bereitstellen.

Das Angebot an Deutschland kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das deutsch-französische Luftkampfsystem FCAS vor erheblichen Schwierigkeiten steht. Burnham signalisierte, dass Großbritannien die Gespräche über eine mögliche deutsche Beteiligung gemeinsam mit Italien und Japan vorantreiben möchte.

Eine mögliche Beteiligung Deutschlands könnte die europäische Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie neu beeinflussen. Konkrete Entscheidungen über einen deutschen Beitritt zum GCAP wurden bei dem Treffen jedoch nicht bekannt gegeben.

Ukraine, Nahost und globale Handelswege ebenfalls Thema

Neben der Sicherheitszusammenarbeit erörterten Merz und Burnham weitere internationale Herausforderungen. Dazu gehörten die Unterstützung der Ukraine, die instabile Lage im Nahen Osten sowie mögliche Auswirkungen von Störungen wichtiger globaler Handelsrouten.

Besondere Bedeutung haben dabei strategische Seewege wie die Straße von Hormus, deren Beeinträchtigung erhebliche Folgen für den internationalen Warenverkehr und die Energieversorgung haben kann.

Darüber hinaus befassten sich die Regierungschefs mit den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Im Rahmen des Besuchs fand ein regionales Wachstumsforum mit britischen und deutschen Unternehmenschefs statt. Ziel war es, Möglichkeiten für Investitionen, wirtschaftliches Wachstum und eine engere Zusammenarbeit der Unternehmen auszuloten.

Burnham will Großbritannien wieder näher an Europa heranführen

Der Besuch in Berlin steht auch im Zusammenhang mit Burnhams erklärtem Ziel, die Beziehungen Großbritanniens zu Europa zu vertiefen. Neben der wirtschaftlichen Zusammenarbeit spielen dabei die gemeinsame Sicherheit und der Umgang mit irregulärer Migration eine wichtige Rolle.

Die britische Regierung strebt eine engere Abstimmung mit europäischen Partnern an, um gemeinsame Herausforderungen besser bewältigen zu können.

Das Inkrafttreten des Kensington-Vertrags markiert einen weiteren Schritt bei der strategischen Annäherung zwischen London und Berlin nach dem Brexit. Mit einer vertieften Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit, Verteidigung, Wirtschaft und Technologie wollen beide Länder ihre bilateralen Beziehungen langfristig stärken und einen Beitrag zur Stabilität Europas leisten.


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