Der britische Premierminister Keir Starmer sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt, nachdem er Muslime als das „Gesicht des modernen Großbritanniens“ bezeichnet hatte. Während eines Ramadan-Iftars in Westminster Hall erklärte Starmer zudem, Muslime seien eine „Erfolgsgeschichte der Vielfalt“ im Vereinigten Königreich.
Vor Hunderten muslimischen Abgeordneten, Gemeindevorstehern, Aktivisten und Gästen äußerte sich Starmer auch zur gemeinsamen US-israelischen Militäroperation gegen den Iran, bei der Irans Oberster Führer Ali Khamenei getötet worden sein soll. Der britische Regierungschef betonte, dass London an den ursprünglichen Angriffen nicht beteiligt gewesen sei und sich auch künftig nicht an offensiven Militäraktionen beteiligen werde.
Starmer dankte den muslimischen Gemeinschaften für ihren „enormen Beitrag“ zum Land. Gleichzeitig sprach er von einer „sehr schwierigen Zeit“ für Muslime im Vereinigten Königreich aufgrund des Gaza-Konflikts und des Leidens der Palästinenser. Zudem erklärte er, er sei „entsetzt über die Welle des Hasses“ gegen britische Muslime, die seiner Ansicht nach durch rechtsextreme Rhetorik und Falschinformationen verstärkt werde.
Kritik an Starmer wächst in sozialen Medien
Besonders seine vorsichtigen Äußerungen zum Iran sowie die Beschreibung der Muslime als „Gesicht des modernen Großbritanniens“ lösten in den sozialen Medien eine heftige Debatte aus. Zahlreiche Nutzer bezeichneten den Premierminister als „völlige Blamage“.
Der bekannte X-Account „Basil the Great“, dem rund 300.000 Nutzer folgen, warf Starmer vor, Angst vor Muslimen zu haben und ihnen ständig entgegenzukommen. Auch der ehemalige Berater von Margaret Thatcher, Nile Gardiner, bezeichnete Starmer als „Schande“.
Sorge um muslimische Wählerstimmen
In sozialen Netzwerken verbreiteten sich zahlreiche Videos, die wütende Reaktionen britischer Bürger auf die Aussagen des Premierministers zeigten. Viele Kritiker interpretierten seine Worte als Versuch, gezielt muslimische Wähler anzusprechen.
Diese Diskussion wird durch aktuelle Wahlergebnisse zusätzlich befeuert. Die Green Party of England and Wales gewinnt zunehmend muslimische Wähler, die zuvor die Labour Party unterstützt hatten. Als Beispiel wird die jüngste Nachwahl in Gorton und Denton genannt, bei der die Kandidatin Hannah Spencer für die Grünen gewann, während der Labour-Kandidat lediglich den dritten Platz belegte.
Vor der letzten Parlamentswahl hatten noch rund zwei Drittel der etwa vier Millionen Muslime im Vereinigten Königreich angegeben, Labour wählen zu wollen.
Tommy Robinson greift Starmer scharf an
Der rechte politische Kommentator Tommy Robinson übte besonders scharfe Kritik an Starmers Ramadan-Rede. In einem Beitrag auf X erklärte Robinson, Starmer habe erneut Schwäche gezeigt. Er interpretierte die Aussagen des Premierministers zum Iran als Signal an muslimische Wähler, dass Großbritannien seine Verbündeten im Konflikt mit dem Iran nicht unterstützt habe.
Abschließend warf Robinson dem Regierungschef vor, seine Position ausschließlich aus wahltaktischen Gründen eingenommen zu haben, um zusätzliche Stimmen zu gewinnen.
Fazit
Die Äußerungen von Keir Starmer über Muslime als „Gesicht des modernen Großbritanniens“ haben eine kontroverse Debatte über Integration, Vielfalt, Außenpolitik und Wahlstrategien ausgelöst. Während Unterstützer seine Worte als Zeichen von Respekt und Anerkennung verstehen, sehen Kritiker darin einen Versuch, gezielt bestimmte Wählergruppen anzusprechen.