Berlin, 7. Oktober 2026 – Eine pro-palästinensische Demonstration im Berliner Stadtteil Kreuzberg ist am Dienstagabend von der Polizei vorzeitig beendet worden. Als Gründe nannte die Polizei wiederholt verbotene Parolen und Angriffe auf Einsatzkräfte. Nach aktualisierten Angaben wurden 43 Menschen festgenommen, vier Polizisten wurden verletzt. Auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg nahm an der Demonstration teil.
Pro-palästinensischer Protest in Kreuzberg: Demonstration mit bis zu 850 Teilnehmern
Der Protest begann gegen 19 Uhr am Oranienplatz unter dem Motto „Stoppt den Gaza-Genozid. Stoppt den Krieg“. Zunächst nahmen rund 300 Menschen teil. Im weiteren Verlauf wuchs die Menschenmenge auf bis zu 850 Teilnehmer an.
Die Demonstration wurde im Bereich Kottbusser Tor mehrfach von der Polizei gestoppt. Einsatzkräfte in vollständiger Schutzausrüstung drangen in die Menge vor und führten einzelne Personen ab.
Am Kottbusser Damm wurde die Versammlung schließlich aufgelöst. Ursprünglich sollte der Protest bis zum Hermannplatz im benachbarten Stadtteil Neukölln führen. Aufgrund des umfangreichen Polizeiaufgebots konnte der geplante Marsch jedoch nicht fortgesetzt werden.
Kurz vor 21 Uhr erklärten die Behörden über Lautsprecherdurchsagen, dass die öffentliche Sicherheit aufgrund wiederholter verbotener Parolen und Angriffen auf Polizeibeamte gefährdet sei. Zudem habe der Veranstalter die Kontrolle über die Teilnehmer verloren.

Angriffe auf Polizisten und verbotene Parolen
Nach Polizeiangaben kam es während der Demonstration zu mehreren Zwischenfällen. Einsatzkräfte wurden unter anderem getreten und gestoßen. Außerdem soll eine unbekannte Flüssigkeit auf Polizisten gesprüht worden sein.
Zu den weiteren Vorfällen gehörten:
- Verbotene Parolen: Unter anderem wurde die Parole „From the River to the Sea“ gerufen.
- Verbotene Symbole: Nach Angaben zu den Vorfällen wurden Hamas-bezogene Dreieckssymbole gezeigt.
- Behinderung des Demonstrationszugs: Transparente wurden miteinander verbunden, wodurch der Marsch blockiert wurde.
- Auseinandersetzungen bei Festnahmen: Einige Demonstranten versuchten, polizeiliche Maßnahmen zu behindern.
Während und nach den Festnahmen kam es zu weiteren Unruhen. Die Polizei griff mehrfach ein, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.
43 Festnahmen – mehr als 1.100 Polizeikräfte im Einsatz
Der Berliner Polizeisprecher Florian Nath hatte zunächst von 18 Festnahmen berichtet. Am 8. Oktober wurde die Zahl auf insgesamt 43 korrigiert.
Nach Angaben zu dem Einsatz waren im Laufe des Tages mehr als 1.100 Polizeibeamte im Zusammenhang mit den verschiedenen Veranstaltungen im Einsatz. Vier Polizisten wurden bei den Vorfällen verletzt.
Stephan Weh, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin, kritisierte die Demonstration scharf. Er bezeichnete die Ereignisse als „unerträglich“ und warf den Beteiligten vor, den Nahostkonflikt gezielt in die Stadt zu tragen und die Gesellschaft zu spalten.
Ermittlungen wegen eines umstrittenen Demonstrationsaufrufs
Bereits im Vorfeld hatte der Aufruf zur Demonstration für Kritik gesorgt. Darin waren die rund 1.200 Todesopfer der Hamas-Angriffe vom 7. Oktober 2023 als „Licht der Widerstandsfähigkeit“ bezeichnet worden.
Die Polizei und die Staatsanwaltschaft nahmen daraufhin Ermittlungen wegen des Verdachts der Verherrlichung von Gewalt auf. Infolge der Kontroverse wurde der ursprünglich vorgesehene Startpunkt am Schlesischen Tor zum Oranienplatz verlegt.
Weitere Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen in Berlin
Nicht alle Veranstaltungen zum Jahrestag verliefen angespannt. Eine weitere pro-palästinensische Kundgebung am Checkpoint Charlie blieb nach den vorliegenden Angaben friedlich und endete gegen 17 Uhr.
Parallel dazu fanden in Berlin zahlreiche Veranstaltungen zur Erinnerung an die Opfer der Hamas-Angriffe statt. An einer zentralen Gedenkveranstaltung auf dem Bebelplatz nahmen rund 1.700 Menschen teil. Im Mittelpunkt vieler Veranstaltungen standen das Gedenken an die Opfer und die Solidarität mit Israel.
Hintergrund: Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023
Am 7. Oktober 2023 griff die Hamas Israel an. Bei dem Angriff wurden nach den im Ausgangstext genannten Zahlen 1.195 Menschen getötet und 251 Menschen als Geiseln verschleppt.
Der Nahostkonflikt hat auch in Berlin wiederholt zu Demonstrationen, politischen Auseinandersetzungen und Ermittlungsverfahren geführt. Nach den vorliegenden Angaben wurden in den vergangenen drei Jahren in der Hauptstadt rund 12.500 Strafverfahren im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt eingeleitet. Ein Teil der Verfahren betrifft antisemitische Vorfälle.
Quelle: Angaben der Berliner Polizei und lokale Medienberichte.